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Ihre Schritte hallten leise auf dem kalten Steinboden wieder während ihre Hände sich hilflos in den schweren Stoff ihres schwarzen Samtkleides krallten. Müde, fast schleppend war ihr Gang und doch näherte sie sich langsam ihrem Ziel, das eigentlich gar keins war. Warum sie genau hier war wusste sie nicht, denn es war ihr klar, dass sie die Erinnerungen niemals würde einfangen können. Auch nicht hier...
Das Licht kam immer näher und auch als es ihre Haut erreicht hatte hielt das Mädchen es immer noch für unwirklich. Als sie das letzte Mal hier gewesen war hatte die Sonne nicht geschienen. Fast spürte sie die Regentropfen noch auf ihren Oberarmen und in ihrem Haar obwohl seitdem schon so viel Zeit vergangen war. Nie wieder würde sie diesen Tag erleben, noch nicht einmal in ihrer Erinnerung, denn diese war verblasst. Während sie sich der Tür näherte verspürte sie eine unerklärliche Sehnsucht, die sie immer schneller vorantrieb. Irgendetwas dort draußen war vertraut.. Obwohl sie diesen Gedanken nicht greifen konnte wusste sie, dass dort ein Teil ihrer Erinnerung war. Sachte strichen ihre schmalen Finger über die lange weiße Narbe auf der rechten Seite ihrer Stirn. Sie war das einzige Überbleibsel des Unfalls, der ihr alles genommen hatte. Nichts war ihr geblieben außer dem schwarzen Nebel, der sich über all ihre Erinnerungen gelegt und diese verschlungen hatte.
Kaum hatte das Mädchen ihren ersten Schritt aus dem dunklen Raum heraus auf das feuchte, grüne Gras gesetzt war ihr, als wäre sie nach Hause zurückgekehrt. Das Sonnenlicht schien zwischen den vereinzelten Blättern hindurch und diese warfen undeutliche Schatten auf ihre Haut. Als sie für einige Sekunden die Augen schloss spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter und sein Gesicht tauchte Schemenhaft in der Schwärze ihres Kopfes auf. Sie sah seine schwarzen Locken, die grünbraunen Augen und das Lächeln, dass gleichzeitig fremd und vertraut auf sie wirkte. Es war, als würde sie den Menschen kennen, der in diesem Moment nur in ihrem Kopf existierte, als wäre er tatsächlich Teil der verloren geglaubten Erinnerung.
Kaum hatte sie die Augen wieder geöffnet sah sie sich selber, ihr altes Ich auf der Wiese sitzen, direkt neben dem Jungen aus ihrem Kopf. Seinen Arm hatte er um sie gelegt und ihr Kopf lehnte wie selbstverständlich an seiner Schulter. Das Mädchen auf der Wiese schien glücklich zu sein und obwohl sie sich selber darin erkannte war ihr klar, dass sie dieses Glück verloren hatte. Langsam, ganz langsam lichteten sich die Nebel in ihrem Kopf und gaben die Sicht frei auf den Tag, den sie damals mit ihm hier verbracht hatte. Die beiden Wesen auf der Wiese schenkten sich ein Lächeln bevor er seine Stirn gegen die Ihre lehnte. Lange verharrten sie in dieser Position und das Mädchen konnte das Herz ihres alten Ichs förmlich schlagen hören. Als sich die Lippen der beiden berührten war ihr, als würde ein heißer Blitz ihren Körper durchzucken und sie sah ihn ganz deutlich.. Ihren Freund, den sie bei einem Autounfall vor einiger Zeit verloren hatte, zusammen mit ihrer Erinnerung an ihn. Sie wusste, dass dies wohl das letzte Mal sein würde, dass sie sein Gesicht so deutlich vor sich sehen und seinen Kuss erleben würde. Dieser Kuss auf der Wiese existierte zwar nur in ihrer Erinnerung aber wenigstens davon war nun ein kleiner Teil zu ihr zurück gekehrt. Sie wusste wieder wer er war, was sie so zu diesem Ort gezogen hatte und hatte auch einen Teil von ihrem alten Ich wiedergefunden. Als sie erneut die Augen schloss fühlte sie seinen Kuss auf ihren Lippen und sah sein Gesicht noch mal bevor es erneut verblasste. Während sie die Wiese auf dem Weg, den sie auch gekommen war verließ umspielte ein Lächeln ihre Lippen. Auch wenn sein Gesicht nun nicht mehr vor ihren Augen war, würde er doch in ihrer Erinnerung weiterleben. Er, der Mensch den sie mehr als alles andere geliebt hatte. Denn auch das war ihr hier, an diesem fast schon verzauberten Ort klar geworden. Nie wieder würde sie ihn gehen lassen, nie wieder wollte sie die Erinnerung an ihn verlieren und sie wusste, dass er es wert war, auf ihn Acht zu geben und ihn fest in ihrem Herzen zu wahren. Immer leiser wurden ihre Schritte als sie im Dunkel des Raumes verschwand.



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