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Mit schleppenden, müden Schritten wandelte sie die düstere Straße entlang. Erinnerungen, Zweifel und Hoffnungen schwirrten in ihrem Kopf umher während sie vergeblich versuchte ihre Gedanken zu ordnen.. Ja oder Nein?? War es ernst oder ein Spiel?? Eine Sache mit Zukunft oder bereits nur noch Vergangenheit?? Sie wusste es nicht und ihr war klar, dass sie es nicht allein entscheiden konnte, dass es eigentlich allein seine Entscheidung war. Die Macht, die er plötzlich über sie hatte wirkte beängstigend und erdrückend und dennoch wollte sie gar nichts dagegen tun. Dieser eine, erste Kuss vor einigen Tagen hatte das Druckverhältnis in ihrem Körper komplett verändert und ihr Bauch fühlte sich nun immer noch an wie ein kleines Vakuum. Erschöpft ließ sie sich in den Zug fallen und starrte auf ihr Handy.. Kein Anruf und keine Sms von ihm.. überhaupt keine Reaktion auf das Geschehene, das wunderbare.
Der Kuss war nicht plötzlich gekommen und sie hatte ihn den ganzen Tag über geahnt und herbeigesehnt. Seine Blicke hatten mehr gesagt als jedes Wort es hätte tun können. Anders als jeder Kuss den sie bisher erlebt hatte war er gewesen, zärtlicher und mit so viel Gefühl... Echten Gefühlen wie sie hoffte..
Aber wie konnte sie bei einem Jungen wie Sebastian da schon sicher sein? Er war wie ein Vogel und sie wusste nicht, ob man einen Vogel in einen Käfig sperren, in einer Beziehung halten konnte. Es würde alleine seine Entscheidung sein und ihr würde wie immer nichts anderes übrig bleiben als sich danach zu richten und gegebenenfalls verletzt zu werden. Denn mit einem Mal wurde ihr klar, wie sehr sie ein „Nein“ von dieser Person verletzen würde... Nägel, die einer nach dem anderen in ihr kleines Herz gerammt wurden.. Bisher hatte sie dieses Gefühl noch nie wirklich erleben müssen aber sie ahnte bereits, wie es sich anfühlte.
Auch nun, als sie sich wiedergesehen hatten waren sie sich so nah gewesen und er war derjenige gewesen, der ihre Nähe gesucht hatte. Küsse, die genau so wunderbar und einzigartig waren wie der Erste hatten sie durch den Abend begleitet und nun, kaum dass sie seine Wohnung verlassen hatte war sie genau so unsicher wie nach ihrem ersten Treffen...
Tonlos drehte sie den Schlüssel in der Türe um und schlich auf ihr Zimmer hinauf.. Niemand schien zu bemerken, dass sie nach Hause gekommen war und eine schwere Stille lag über ihrem Handeln. Schweigend wickelte sie sich in ihre Bettdecke ein und wartete... auf Antworten... auf Klarheit.
Als endlich das Telefon klingelte wurde ihr klar, dass ihre Vorstellung von den Schmerzen die Nägeln auslösen konnten eine Untertreibung gewesen war. Sein „Nein“ war nicht nur wie ein Schlag ins Gesicht, es fühlte sich an wie gleich tausend Nägel in ihrem Herzen... Tausend Nägel die den Wunsch in ihr weckten zu sterben, zu verschwinden und nicht realisieren zu müssen, dass sie immer noch alleine war. Es half nichts, dass er ihr sagte wie gern er sie hatte und wie gern er diese Beziehung führen würde, es half auch nichts, dass er ihr erklärte, dass es nur an der Entfernung lag... Alles schien von einem Moment auf den anderen seine Bedeutung verloren zu haben.. Wortlos legte sie den Hörer neben sich aufs Bett und lauschte dem regelmäßigen Tuten als auch Sebastian aufgelegt hatte.. Wieso war sie ihm so verfallen? Wie hatte das binnen ihrer wenigen Treffen bisher passieren können? Immerhin war sie doch normalerweise so vorsichtig was Jungs anging...
Er ließ ihr Herz höher schlagen, zauberte ein Grinsen auf ihr Gesicht und hatte ihr zeigen können, was wahre Zärtlichkeit war. Er hatte sie anders behandelt, anders als die Jungs von denen sie vorher gedacht hatte, dass sie Gefühle für sie hatte. „Er ist ein Traum“ murmelte sie und schmeckte plötzlich das Salz von Tränen in ihrem Mundwinkel. Wann hatte sie angefangen zu weinen? Erst nach dem Telefongespräch oder hatte er vielleicht gehört, wie sehr er sie verletzt hatte? Trotz allem war sie unfähig es ihm übel zu nehmen und ein kleiner Teil von ihr verstand ihn.. Nicht jeder war bereit eine Beziehung zu führen wenn man sich nur zweimal in der Woche sehen konnte und ein Vogel, ein Vogel wie Sebastian musste frei sein. Frei von Planungen und Verpflichtungen. Dennoch verspürte sie diese Sehnsucht, die sie leiden ließ, die ihr Schmerzen bereitete. Sie hatte das Gefühl, dass sie bereit wäre alles für ihn aufzugeben, zumindest im Moment. Traurig stand sie auf, öffnete das Fenster und ließ ihre Blicke über die verschneite Winterlandschaft wandern... Gerade als ihre Verzweiflung ausweglos zu werden schien, gerade als sie in ihrer Verzweiflung zu versinken drohte klingelte das Telefon. Lustlos taumelte sie durch den Raum und meldete sich müde mit ihrem Namen. „Ich bin’s Martin... Ich habe gerade an dich gedacht...Was ist los?“ ertönte am anderen Ende der Leitung die Stimme ihres besten Freundes und obwohl sie es nicht wollte, obwohl sie eigentlich der Meinung war, dass niemand ihr helfen konnte redete sie..
„Ich bin immer für dich da mein Engel.. du verdienst so etwas Mieses nicht..“ war seine Antwort und diese zauberte zumindest ein kleines Lächeln auf ihre Lippen. Langsam wurde ihr klar, dass sie Freunde hatte, die ihr durch all ihre Traurigkeit und Verzweiflung helfen würden. Freunde, die zuhörten und für sie da waren. Sie realisierte, dass Freunde wichtiger waren als jeder Junge und jede Beziehung. Auch wenn sie noch nicht in der Lage war Sebastian Vorwürfe zu machen, auch wenn sie ihm seine Fehler noch nicht übel nehmen konnte spürte sie, dass es gut tat, jemanden zu haben, der einfach zuhörte und zu verstehen versuchte. Langsam, während das Telefongespräch andauerte lockerten sich die Nägel in ihrem Herzen.. Irgendwann würden sie abfallen.



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