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"Wenn ihr wahre Freunde gewesen wärt!" schrie er nach unten, mit glasigem Blick und bloßen Füßen. Ihre Gesichter waren wie versteinert gen Himmel gerichtet und dennoch schien es, als würde er sie gar nicht bemerken. Sein schlanker, zerbrechlicher Körper zitterte und auf seinen bloßen Unterarmen bildete sich Gänsehaut. Er jedoch schien taub für jedes Gefühl zu sein, schien die Kälte noch nicht einmal zu spüren. "Wieso sollen wir keine wahren Freunde gewesen sein?" Sie löste sich aus der Menschenmenge, blickte zu der Fensterbank im zehnten Stock und versuchte vergeblich, seine Blicke auf sich zu ziehen. Diese wanderten jedoch nur haltlos über den Boden und verharrten noch nicht einmal für wenige Sekunden auf dem selben Fleck. "Wahre Freunde sind die, die auch in der Not zu mir stehen.."

"Deswegen sind wir hier.." erwiderte sie und spürte die Tränen kaum, die in stummen Bächen ihre Wangen herabrannen. "Wir sind hier um dich davon abzuhalten einen Fehler zu machen!" ihre Stimme überschlug sich und versagte dann völlig. Es schien sinnlos zu sein denn ohne darauf zu reagieren trat er noch einen kleinen Schritt näher an den Abgrund heran, an das Ende.. Sein Ende.

Sein langes Haar wehte in schwarzen Strähnen mit dem Wind, auf ihn wirkte diese Tatsache jedoch eher kurios, war er nicht sonst immer jemand, der gegen den Strom geschwommen war? Er hob den Blick, ließ ihn über die Dächer schweifen und blieb dann bei der Sonne hängen, eine große, orange-rote Kugel die über den Dächern der Wolkenkratzer auftauchte. So ein klarer Morgen und doch so hoffnungslos.. Warum hatten sie alle ihn allein gelassen in den letzten Wochen als er sie mehr gebraucht hätte als je zuvor. Menschen, die er immer seine Freunde genannt hatte um sich nicht vollkommen alleine zu fühlen. Nein, eigentlich war er schon immer einsam gewesen aber bis zu diesem Tag, bis zur entgültigen Erkenntnis hatte er immer versucht, sich sein Leben schön zu reden.

Seine Finger verkrampften sich und die schwarz lackierten Fingernägel bohrten sich plötzlich fest in die weiße, kalte Haut seiner Arme. Das schwarze T-Shirt flatterte im Wind und entblößte in unregelmäßigen Abständen die unteren Zentimeter seines Bauches. Unten auf der Straße erkannte er die Menschenmenge nur verschwommen. Obwohl er das Mädchen, das vor wenigen Sekunden vorgetreten war noch vor kurzer Zeit zu seinen Freunden gezählt hätte fühlte er sich ihr gegenüber jetzt nur noch wie ein Fremder, es schien ihm sogar, als hätte er sie niemals gekannt. Hinter der Menge standen Polizeiautos und darin saßen sie.. die Beiden die für seinen jetzigen Zustand verantwortlich gemacht wurden. Wenn man ihn auch nur ein einziges Mal gefragt hätte was er davon hielt hätte er gesagt, dass sie die einzigen beiden Menschen verhaftet hatten, die er für unschuldig hielt.. Nein sie hatten ihn nicht in ein schlechtes Umfeld gezogen oder ihm all diese depressiven Gedanken in den Kopf gesetzt.. Vielmehr waren sie für ihn da gewesen und seine Freundschaft zu ihnen war weit über all die oberflächlichen Beziehungen hinausgegangen, die er vorher geführt hatte. Nun saßen sie da, starrten ängstlich zu ihm empor und als ihre Blicke sich für einen Moment trafen schüttelten sie den Kopf. Ein Zeichen, ein Zeichen auf das er nun nicht mehr hören konnte, für das es nun zu spät war.

"Bitte.. kommen sie ganz langsam hierher und klettern sie zurück ins Gebäude" er brauchte sich nicht umzudrehen um zu wissen, dass einer der Polizisten nun das Fenster, sein Fenster erreicht hatten. Warum wollten sie ihn nur zurückholen? Merkte denn niemand, dass all diese Menschen die nun dort unten standen und weinten die schuldigen waren? Dass sie, der Durchschnitt ihm sein Leben immer auf ihre ganz eigene, freundliche Art zur Hölle gemacht hatten? "Warum?" fragte er tonlos, ließ seine Augen jedoch auf dem Polizeiauto ruhen in dem die beiden Menschen saßen, die ihm gezeigt hatten was es hieß zu leben. "Damit du neu anfangen kannst.. Wir haben die Leute, die dich hierzu getrieben haben festgenommen und somit kannst du noch eine Chance haben wenn du nicht aufgibst" "Wenn ihr wüsstet, was ihr hier tut.. Warum weinen dort unten Leute um jemanden, der ihnen eigentlich ganz egal ist? Der ihnen immer egal war?" "Was redest du? Komm zu uns, du bist verwirrt, alles wird gut, da sind deine Freunde!" "Ihr versteht mich nicht!! Und mich versteht auch niemand von den Menschen, die dort Tränen für mich vergießen und so tun, als würde es sie wirklich traurig machen wenn ich springe.. Ihr sucht meine Motive dort, wo ihr sie niemals finden werdet.. beschuldigt die einzigen Menschen, die mich wirklich davon abhalten können den letzten Schritt zu tun!" "Diese Menschen könnten dich von gar nichts abhalten" die Stimme des Polizisten klang kalt und berechenbar in meinem Ohr und wütend kniff ich meine Augen zusammen als er fortfuhr: "Sie sind doch die Schuldigen an deiner Lage.. Du musst dich besinnen wer du bist... Diese schwarzen Anziehsachen, diese ganze Szene und vor allen Dingen diese beiden jungen Männer. Das sind die Faktoren, die dich hierher getrieben haben und das sind die Dinge, die du bekämpfen musst.. jetzt!" "Das reicht mir um wirklich sicher zu sein, dass ihr nicht wisst wovon ihr redet.. Wenn ihr jemals einen Bericht über diesen Tag schreiben müsst dann will ich, dass ihr schreibt, dass ihr euch geirrt habt, dass ihr Fehler gemacht habt und dass ihr alle Dinge, die mich glücklich gemacht haben als schlecht, und alles was mich wirklich hierher auf diese Fensterbank getrieben hat als gut gehandelt habt.. Ihr habt euch geirrt..."

Da ging er noch einen Schritt nach vorne.. den letzten Schritt, den Entgültigen.




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