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Die Flammen tanzten mit einem stummen Knistern durch die schwarze Nacht während sie mit kleinen, müden Schritten über das trockene Gras taumelte. Viele Menschen umringten das Feuer und doch waren sie alle nicht mehr als schwarze Schatten ohne Gesichter. Niemand schien in diesem Moment eine Persönlichkeit oder eine eigene Seele zu haben. Sie sah nur ihre Umrisse, war von den orange-roten Flammen geblendet und sie fürchtete sich. Das junge Mädchen hatte Angst alleine hier zu sein obwohl sie wusste, dass die Menschen ohne Gesichter ihre Freunde gewesen waren bevor die Nacht ihre Persönlichkeiten ausgelöscht hatte.

Ihn jedoch erkannte sie schon von Weitem und ohne es geplant zu haben schlug sie den Weg in seine Richtung ein. Je näher sie ihm kam, umso größer wurde die Angst zu fallen und von ihm abgewiesen zu werden. Nichts wünschte sie sich sehnlicher als für diesen einen Abend, diese eine wunderschöne Nacht jemand anders zu sein. Hier, zwischen den Menschen die sie liebte wollte sie niemand verbiegen. Auch in seiner Gegenwart konnte sie sein wie sie war obwohl der Wunsch, besser zu sein wie ein kleines, unauslöschbares Feuer in ihr brannte. Er würde sie nicht ändern wollen.. Niemand hier, außer ihr selber.

Als er sie erkannte tat er einen anmutigen Schritt in ihre Richtung, war ihr so nah, dass sie sein Gesicht bereits erkennen konnte. Die weichen, fast weiblichen Gesichtszüge wurden von seinem braunen, glatten Haar umschmeichelt und das für ihn typische, emotionslose Lächeln lag auf seinen Lippen. Er trat so nah an sie heran, dass sie seine Atemzüge auf ihrer Haut spüren konnte und sich eine Gänsehaut auf ihrem gesamten Körper bildete. Sie wusste, dass es besser war, fortzulaufen so lange sie noch konnte aber ein einziger Blick in seine Augen genügte, um ihre Füße so fest im Boden zu verankern, dass sie sich keinen Zentimeter mehr bewegen konnte. Es schien, als wäre das große Lagerfeuer auf die Luft zwischen den beiden übergesprungen, hatte sie entflammt und ließ sie nun zusammen brennen. Zwar waren sie zusammen und doch war jeder von ihnen allein, gefangen in einer Welt von Zweifeln, Ängsten und Anziehungskraft. Als er sie an sich zog fühlte sie sofort, wie ihr heiß wurde und trotzdem spürte sie die vereinzelten kalten Schauer, die ihren Rücken herabliefen. Sachte berührten seine Lippen erst ihre rechte - und dann ihre Linke Wange. Ein Abschied wie immer und doch war an diesem Abend so viel anders zwischen ihnen. Sie spürte es sehr deutlich obwohl sie in diesem Moment nicht in der Lage war, diese Gefühle zu realisieren. Als seine Lippen dann die Ihren berührten war es, als würde der Funke seines Feuers auf sie überspringen. Sie wusste, das dies nun die allerletzte Chance für eine Entscheidung war, noch konnte sie laufen.. Zumindest theoretisch, denn praktisch hatte ihr Herz sich bereits entschieden. Zumindest für diesen einen Abend. Sie wollte brennen, wollte sein Feuer in sich spüren und konnte dabei keine Rücksicht auf sich selber nehmen. Weder darauf, dass ihr kleines Herz vielleicht verletzt werden würde noch darauf, dass an diesem Abend erneut ein Teil von ihr sterben sollte. Sie hatte noch nicht einmal die Gewissheit, dass er sich am nächsten Tag noch an diesen Kuss erinnern würde und doch erwiderte sie ihn. Alles um sie verschwamm, die Menschen ohne Gesichter wurden zu einer großen schwarzen Masse, die mit dem dunklen Himmel verschmolz und nun gab es nur noch den Kuss. Alles andere wurde unwichtig und der nächste Tag rückte in so unnahbare Ferne, dass es ihr unmöglich war, darüber nachzudenken. Wie Samt waren seine Lippen und seine Küsse waren die zärtlichsten, die sie jemals in ihrem Leben erlebt hatte. Dennoch war er wie eine Rose.. Wenn er wollte hatte er eine wunderschöne Blüte, aber er war umgeben von Dornen. Diese Dornen konnten sie so sehr verletzen wie keine andere Blume in ihrem Leben es vermochte. Der Kuss war nicht lang und gerade deshalb hatte er etwas besonderes an sich. Es war ein Kuss, den man nicht schnell vergessen konnte, wenn überhaupt jemals. Erneut tauchten Feuer und Menschen um sie herum auf als sie die Augen aufschlug und immer noch war das Kribbeln in ihrem Körper. "Bis nächste Woche!" sagte er und sie nickte nur mit einem Lächeln, das auf ihren Lippen festgefroren zu sein schien. Während sie sich Schritt für Schritt von ihm entfernte kehrte langsam das Gefühl in ihre Beine zurück..

Er hätte sie nicht berühren sollen, hätte nicht dieses Band zwischen ihnen knüpfen durfen, das man unmöglich zerreißen konnte.

Ohne diese erste Berührung, hätte sie sich nicht in ihm verloren.. Vielleicht wäre sie sie selbst geblieben. So jedoch wollte sie brennen, sie wollte alles, was geschehen ist und genoss es auf eine bittersüße, schmerzende Art und Weise.




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